DWA-M 760: Was das neue Merkblatt für Kanalnetzbetreiber und Kommunen bedeutet
Das neue DWA-Merkblatt M 760 „Fetthaltiges Abwasser" schafft erstmals einen einheitlichen Bewertungsrahmen für Kanalnetzbetreiber, Kommunen und Genehmigungsbehörden. Es geht nicht mehr nur um Fettabscheider — es geht um das gesamte System: Kanalnetz, Zulauf, biologische Klärstufe.
Dieser Beitrag fasst zusammen, was das Merkblatt für die Praxis bedeutet — und wo biologische Fettspaltung als ergänzende Maßnahme eine Rolle spielt, die das Merkblatt explizit berücksichtigt.
Harald Mayer
Geschäftsführer, Lipobak GmbH & Co KG · Referent beim BEW-Fachgespräch 2026
Die Herausforderung: Fettablagerungen im Kanalnetz
Fett im Abwasser ist kein neues Problem — aber seine Konsequenzen werden unterschätzt. Fettsäuren aus Küche und Gastronomie verbinden sich im Kanal mit Kalzium zu seifenartigen Ablagerungen, den sogenannten Fatbergs. Diese verengen Rohrleitungen, erzeugen anaerobe Bedingungen und fördern die Bildung von Schwefelwasserstoff (H₂S).
H₂S ist nicht nur geruchsintensiv — es ist biogen aggressiv. In Feuchtigkeit oxidiert es zu Schwefelsäure, die Betonkanäle von innen zerstört. Für Kanalnetzbetreiber bedeutet das: erhöhte Sanierungskosten, verkürzte Nutzungsdauern, und in dicht besiedelten Gebieten akute Beschwerdelage durch Geruchsimmissionen.
Die Zuleitungen aus Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung und Lebensmittelverarbeitung sind besonders betroffen. Ein einziger schlecht gewarteter Fettabscheider kann den Zustand ganzer Kanalabschnitte verschlechtern.
Was DWA-M 760 regelt — und was es verändert
Das Merkblatt M 760 der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) definiert Anforderungen an die Behandlung fetthaltigen Abwassers entlang der gesamten Entsorgungskette. Neu gegenüber früheren Regelungen: Der Fokus liegt nicht mehr ausschließlich auf dem Fettabscheider als Einzelbauwerk, sondern auf dem Systemzusammenhang.
Konkret bedeutet das: Die Wirksamkeit eines Fettabscheiders allein reicht nicht als Nachweis. Kanalnetzbetreiber und Kommunen müssen den tatsächlichen Fetteintrag in den Kanal bewerten — über Zulaufmessungen, Inspektionsdaten und Betriebsprotokolle. Indirekteinleiter (Gastronomie, Großküchen) werden stärker in die Pflicht genommen.
Wichtig für die Praxis: Das Merkblatt erkennt ausdrücklich an, dass mechanische Abscheider und biologische Maßnahmen komplementär wirken können. Wo Fettabscheider ihre Grenzen erreichen — etwa bei hohen Temperaturschankungen, kurzen Verweilzeiten oder biologisch schwer abbaubaren Fettsäurekombinationen — sind ergänzende Maßnahmen legitim und zielführend.
Biologische Fettspaltung als ergänzende Lösung: lipasanF®
lipasanF® ist ein biologisches Produkt auf Basis selektiv gezüchteter lipolytischer Bakterienstämme. Es wird direkt in den Fettabscheider oder den Kanalzulauf dosiert und baut Triglyceride enzymatisch ab — bevor sie sich zu festen Ablagerungen verbinden.
Die Wirksamkeit ist in mehreren kommunalen Pilotprojekten messtechnisch belegt. Der Amperverband Bayern dokumentierte 25 m³ biologisch gespaltenes Fett über einen Messzeitraum von zwölf Wochen — mit messbarem Rückgang von Schwimmschlamm und H₂S-Konzentration im Zulaufschacht. Ähnliche Ergebnisse wurden in Groß-Gerau, Pfungstadt und beim Wasserverband LINEG (NRW) erfasst.
Diese Projekte zeigen, dass biologische Fettspaltung kein Ersatz für mechanische Reinigung ist — sondern eine systemische Ergänzung, die genau dort ansetzt, wo Fettabscheider allein nicht ausreichen: im Kanalnetz, im Zulauf und in der biologischen Klärstufe.
Dokumentierte Referenzprojekte:
- Amperverband Bayern — 25 m³ Fett biologisch gespalten (12 Wochen)
- Abwasserwerk Groß-Gerau — messtechnisch begleitete Pilotphase
- Kläranlage Pfungstadt — Reduktion Schwimmschlamm und Geruchsemissionen
- LINEG NRW — biologische Behandlung im Verbandsgebiet
Das Wichtigste in Kürze
Was Kanalnetzbetreiber und Kommunen aus DWA-M 760 mitnehmen sollten:
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1
DWA-M 760 bewertet Fetteintrag systemisch — Fettabscheider allein reicht nicht mehr als Nachweis
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2
Biologische Maßnahmen wie lipasanF® sind als ergänzende Lösung explizit anerkannt
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3
Kommunale Pilotprojekte (Amperverband, Groß-Gerau, Pfungstadt, LINEG) belegen messbare Wirksamkeit
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4
Frühzeitige biologische Intervention reduziert Kanalkorrosion, Sanierungskosten und Geruchsbelastung
Fachgespräch BEW: Harald Mayer als Referent am 12. Mai 2026
Zu diesem Thema hält Harald Mayer, Geschäftsführer der Lipobak GmbH & Co KG, am 12. Mai 2026 beim BEW-Fachgespräch „Fetthaltiges Abwasser / DWA-M 760" in Duisburg einen Vortrag:
„Fette aus dem Abwasser nutzbar machen – Fettablagerungen lösen und wirtschaftlich verwerten"
Das Seminar richtet sich an Kanalnetzbetreiber, Kommunen, Genehmigungsbehörden, Umweltbehörden und Planungsbüros. Teilnahme: 350–475 € zzgl. MwSt.